Als ich begann, meinen eigenen Schmuck selber anzufertigen, war ich stets auf der Suche nach neuen Techniken und Methoden. Das Internet gab ja sooo viel her, ich wurde faktisch überflutet mit Ideen und Einfällen, und manchmal war es schwierig, den Fokus zu behalten und mich auf eine Sache zu konzentrieren. Zu spannend war das Ausprobieren!

Schmuck aus dem 3D-Drucker

Bei etwas bin ich aber hängengeblieben: Beim 3D-Druck.
Alles begann damit, dass ich den Drucker geschenkt bekam von meinem technikbegeisterten Freund. Ob es eher ein Geschenk für ihn selber oder für mich war, sei dahingestellt…..:-)

Da ich mir zu Beginn überhaupt keine Vorstellung davon machen konnte, was ein 3D-Drucker überhaupt kann, möchte ich Euch hier das Ganze ein wenig zeigen. Der Weg von der Idee bis zum fertigen Schmuckstück sozusagen.

Unser 3D-Drucker: Gestatten, mein Name ist Prusa MKi3

Als das Ding kam, war es in ca. 7000 Einzelteile zerlegt. Die Anleitung zum Zusammenbau hatte gefühlt 2000 Seiten. Zum Glück musste ich das alles nicht selber zusammenbauen – ich hasse es schon, nach dem Ikea-Shopping-Spass die Möbel zusammenbauen zu müssen….

Der Drucker besteht im Wesentlichen aus einem Druckbett und einem Gerüst. An diesem Gerüst ist die Düse befestigt, welche sich in allen drei Dimensionen frei bewegen kann. In der Düse wird das Filament, das in einer grossen Rolle oben aufgehängt wird, geschmolzen. Anschliessend wird es Schicht für Schicht auf das Druckbett aufgetragen. Je dünner die Schichtdicke (z.B. 0.4 mm), desto feiner werden die Strukturen.

Aber aufgepasst: Der Drucker kann nicht in die Luft drucken! Es können nur Schichten horizontal aufeinander aufgetragen werden. Das bedingt, dass man sich bereits beim Design des Teils Gedanken macht. Oder man bildet sogenannte Hilfsstrukturen (Support), welche anschliessend entfernt werden können.

Aber wie entsteht nun der Schmuck im 3D-Drucker?

Ohne digitale Datei geht nichts. Der Drucker braucht zuerst eine Anleitung, was er eigentlich drucken soll. Bei weniger kreativen Ansprüchen kann man solche Dateien zuhauf im Internet finden, sei es auf Thingiverse, MyMiniFactory oder einer der unzähligen anderen Seiten mit kostenlosen oder zu kaufenden 3D-Modellen. Meistens können die Dateien bereits als druckbare stl. oder obj. Dateien heruntergeladen werden. Da gibt es Vasen, Figürchen, Skulpturen, Modellflieger, Schmuck und eigentlich alles, was man sich irgendwie vorstellen kann.

Nach dem Download der Dateien fehlt aber immer noch etwas. Die Datei muss in den Slicer. In diesem kleinen Progrämmli kann das Objekt auf die richtige Grösse gebracht und richtig ausgerichtet werden. Auch die Düsentemperatur (Schmelztemperatur für das Filament) wird hier eingestellt. Zusätzlich wird das Objekt in horizontale Schichten zerlegt – natürlich nur digital. Dies sind die Schichten, die anschliessend von der Düse am Drucker aufgetragen werden. Nun noch speichern als sogenannten G-code, ab auf die Speicherkarte und in den Drucker! Dies ist der Moment, wo es richtig spannend wird 🙂

Jetzt gehts los…..

Zuerst heizt der Drucker resp. die Düse auf rund 200 Grad Celsius auf. Diese Temperatur ist notwendig, um das Filament zu schmelzen. Dann fängt das Gerattere an, es surrt und saust und macht und tut, d.h. zuerst wird ein wenig kalibriert. Und dann gehts los! Schicht um Schicht wird das Objekt der Begierde immer höher und höher und schöner und schöner – wenn alles gut geht.
Da sind natürlich viele Dinge, die schief gehen können. Das Filament kann die Bodenhaftung verlieren. Das Resultat: ein in die Luft gedrucktes Spaghettimonster :-(.
Es sind einige Variablen, die passen müssen, damit das Objekt schön herauskommt. Kurz gesagt, es ist auch ein bisschen eine Kunst 🙂

Schmuck aus Plastik???

Aber woraus besteht denn am Schluss das gedruckte Teil?
Das weitaus bekannteste Filament ist das sogenannte PLA, von engl. Polylactic Acid (Polymilchsäure), eine Art Biokunststoff. PLA-Filament gibt es mittlerweile in allen erdenklichen Farben und Konsistenzen, nachtleuchtend, biologisch abbaubar, gummiartig….
Normales PLA ist leicht zu drucken, hat gedruckt die Haptik von Plastik, ist leicht, aber schwierig zu bearbeiten mit Feile oder Schleifpapier. Ausserdem ist es…nun ja, für Schmuckzwecke eher mässig schön.

Die Lösung: Verbundmaterialien

Fortsetzung folgt….